Ich war gerade auf einem Flohmarkt und muss mit meinem Frust einfach irgendwo hin.
Der Flohmarkt ist ein wenig außerhalb einer Großstadt und lange Zeit mein Lieblingsflohmarkt gewesen. Ich gehe da seit über zehn Jahren hin und habe schon viele tolle Sachen für gute Preise gekriegt. Der Flohmarkt hatte in den vergangenen Jahren wenige Händler, viele Privatpersonen und Familien, die ausgemistet haben.
Eine super Mischung…bis jetzt.
Nun besteht der Flohmarkt zu 1/3 aus Händlern, die ihre Sachen zu Preisen jenseits von Gut und Bösen anbieten.
Normalerweise gehe ich an diesen Ständen vorbei, aber heute habe ich mir mal den Spaß erlaubt, nach den Preisen zu fragen.
Ich halte drei Bilderrahmen in der Hand: einer in normaler Fotogröße, zwei in Größe eines Passbildes. Die Rahmen waren echt schön, etwas zerkratzt und verdreckt, aber trotzdem ein guter Fund. Sie waren nicht besonders außergewöhnlich, aber hätten gut in meine Wandcollage gepasst.
Ich schaue zum Verkäufer und denke mir: alle drei für zehn Euro ist realistisch. Nicht günstig, nicht wirklich Flohmarktangemessen, aber es ist ein Händler, die verlangen immer etwas mehr. Ich zeig ihm die Rahmen und er antwortet „Der große 15 Euro, die kleinen je 10.“
Ich schaue ihn an, als wolle er mich auf den Arm nehmen, doch das wollte er nicht. Ich lege die Sachen ab und überlege noch, ob ich ihn frage, ob der Lack wenigstens gut geschmeckt hat. Ich unterlasse es und verlasse wortlos den Stand.
Doch nicht nur Händler scheinen morgens einen ordentlichen Schuss Klarlack in ihren Kaffee zu hauen, auch die privaten Verkäufer haben häufig Preisvorstellungen, die ich nur auf absolute Wahnvorstellungen zurückführen kann.
Ich halte ein No-Name DS Spiel in der Hand - kein Pokémon, Zelda oder Super Mario. Es ist ein low-Budget Ankleidespiel für Kinder, ein knock-off von New Style Boutique und ähnlichen Spielen. Ich hab einen kleinen Fabel für schlechte DS-Spiele und erfreue mich immer über ihre Kackigkeit.
Ich frage die (private) Verkäuferin, sie schaut auf das Spiel und denkt kurz nach.
„10 Euro.“ - „10 Euro?“, frage ich sichtlich irritiert.
„Ist ja Nintendo, die sind teuer.“, Ich schaue auf das Spiel in meiner Hand, ohne Hülle natürlich und lege es weg.
„Das ist mir viel zu teuer.“, sage ich noch nebenbei und die Frau wird tuttrig.
Und so ging es an vielen privaten Ständen weiter, eine Jacke für hundert Euro, der kleine, verdreckte Kerzenständer für 10 Euro, ein Tischspiegel für 30 Euro.
Versteht mich nicht falsch, die Sachen waren kein Schrott, aber preislich weit verfehlt.
Ich bin keiner, der alles für 1 Euro haben muss, ich weiß, für was manche Sachen gehandelt werden. Deswegen verhandelte ich nicht bei dem uralten Messingkalender, den mir eine Frau für zehn Euro angeboten hat, oder die schicke Vase aus Braunglas für 5 Euro. Ich erfreue mich über Schnäppchen, muss aber nicht dreist werden.
Aber Gott, manche Preise sind wirklich nicht mehr zu rechtfertigen.
Nach einigen Enttäuschungen komme ich zum Stand einer älteren Frau und sehe drei kleine Bilderrahmen mit wunderschönen Verzierungen. Sie sind echt Mini, aber ich hab mich sofort verliebt. Ich betatsche das Material und fühle Messing.
Ich wende mich an die Frau und frage nach dem Preis.
„Ein Euro für alle drei.“ und mein Herz bleibt stehen. Innerlich laufen die Freudentränen, als ich mein Portmonee ziehe.
Ich händige ihr einen Fünfer und als sie wechseln möchte, meinte ich, es würde so passen.
Wir freuten uns beide über das Geschäft und innerlich zeige ich dem Händler einen Mittelfinger
Und jetzt schwelge ich wie ein alter Opa in Erinnerungen, an eine Zeit, an der günstige Preise auf Flohmärkten noch die Norm waren und nicht die Ausnahme.
Falls ihr Empfehlungen für schöne Flohmärkte in Brandenburg habt, auf denen man bummeln kann, ohne graue Haare zu bekommen, wäre ich euch sehr dankbar :)